Edvard Munch: 

"Der Schrei" (1893) 


 Wie kaum ein anderes Werk wurde „Der Schrei“ nach der Unmenschlichkeit und den grausame Verbrechen der zwei Weltkriege zum Sinnbild des 20. Jahrhunderts - es zählt zu den meist reproduzierten Bildern. In sein Tagebuch schreibt Edvard Munch: „Ich ging mit zwei Freunden die Straße entlang - die Sonne ging unter - etwas wie leise Schwermut führte mich an. Plötzlich färbte sich der Himmel blutig rot - Ich blieb stehen - lehnte mich todmüde gegen einen Zaun - über dem blauschwarzen Fjord unter er Stadt lagen Blut und Feuerzungen - meine Freunde gingen weiter, und ich stand immer noch zitternd vor Angst - und ich fühlte, dass ein großer, nie enden wollender Schrei durch die Natur ging. Vor dem Hintergrund einer dramatisch gesteigerten wellenförmigen Landschaftsszenerie, dem diagonal ins Bild schneidenden Brückengeländer und einer extrem überzeichneten perspektivischen Schräge schildert Munch die erlebbare Existenzangst des zivilisierten Menschen, seine Panik und seinen Schrecken in höchster Steigerung. Dabei wird durch die Isolation des Protagonisten die Landschaft zum Spiegel seiner psychischen Befindlichkeit, der Unausweichlichkeit einer Zwangsvorstellung.
Der Isolation des Einzelnen entgegen prallen die Menschenmassen in Angst frontal auf den Betrachter, blicken diesem mit aufgerissenen Augen ins Gesicht.
Die vor Angst erstarrten maskenhaften Antlitze konfrontieren uns mit unseren eigenen Ängsten und übermächtigen Zwängen.

„Ich sehe alle Menschen hinter ihrer Maske lächelnd, ruhige Gesichter, bleiche Leichen wie Rastlose eilen sie vorwärts auf einem krummen Weg, dessen Ende das Grab ist.“